Lehrgeld zahlen

Dummheit, Naivität, Gutgläubigkeit, Arglosigkeit, Blauäugigkeit, Einfältigkeit, Leichtgläubigkeit, Treuherzigkeit, Unbedarftheit, sind Worte, die uns in der ersten Bauphase perfekt beschreiben.

Jeder Handwerker erzählt etwas anderes, und jeder ist davon überzeugt, dass seine ureigene Leistung das Nonplusultra ist und alle anderen Handwerker in der gleichen Branche nur Dilettanten sind.

Je geschickter sich ein Handwerker verkaufen konnte, umso schneller sind wir darauf hereingefallen.

Ein Handwerker kam zu uns und schaute sich die Baustelle an. Wir wollten in dem Fall alte Heizungsnischen zumauern lassen, und ein alter Rollladenkasten sollte ebenfalls dicht gemacht werden.

Er, der Handwerker, gab uns dann eine Liste mit Materialien, die wir im Baumarkt besorgen sollten.

Soweit so gut. Wir machten einen Preis mit dem guten Mann aus, und ein paar Tage später sollte es losgehen. Der Handwerker schien uns sympathisch und fachlich kompetent – soweit wir es beurteilen konnten.

Am dem Tag, an dem es losgehen sollte, klingelte es auch pünktlich an der Tür. Der Handwerker stand mit einem, wie wir dachten, Assistenten da und war bereit loszulegen.

Wir zeigten noch einmal die Baustelle und auch die von uns gekauften Materialien. Dann plötzlich verabschiedete sich der Mann, von dem ich dachte, er mauert bei uns die Nischen zu und ließ uns mit einem völlig Fremden allein.

Was an sich kein Problem gewesen wäre, wenn der Handwerker vorher gesagt hätte, dass er nur Leute vermittelt und er selbst nicht tätig wird.

Der Assistent machte dann in einigen Tagen die Heizungsnischen zu und erzählte wilde Geschichten über seinen … nun ja Chef oder Auftraggeber. So ganz haben wir die Strukturen nicht durchschaut. Wir bekamen immer mehr Zweifel. Als uns der Assistent sagte, was er bei unserer Baustelle verdient, ist uns endgültig die Laune vergangen.

Wir fühlten uns mehr als über den Tisch gezogen!

Nach Preis-Neuverhandlungen, brach der Handwerker den Kontakt zu uns ab.

Sein Assistent hat danach noch unglaubliche Dinge über die Person erzählt. Wir sind froh gewesen, dass die Baustelle dann erledigt war.

Der Assistent hat uns seine Arbeitskraft auch für andere Tätigkeiten angeboten. Da wir dachten, seine Arbeit sei tadellos, sagten wir zu, an ihn zu denken, wenn die nächsten Schritte anstehen.

Dann kamen unsere Maler, um die Wände zu verputzen. Eine tolle Firma hier gleich aus dem Ort. Kann ich ohne Bedenken weiterempfehlen!

Die haben über die windschiefen Mauern des Assistenten geflucht und uns gefragt, ob wir das in selbst zugemauert haben. Hatten wir nicht! Wir haben EXTRA einen Maurer beauftragt.

Die Wände waren krumm und schief.

Nach der Hiobsbotschaft der Maler haben wir den Assistenten per Whatsapp für seine bisherige Arbeit gedankt und ihm freundlich gesagt, dass wir keine weiteren Aufträge an ihn vergeben würden.

Ich möchte euch hier nicht im einzelnen wiedergeben, wie der Mann sich verhalten hat, nur soviel: Es war Gossenniveau!

NACHDEM nun eine ganze Weile ins Land gegangen ist und unsere Baustelle soweit fertig gestellt wurde, kann ich über unsere Anfängerfehler leicht lächeln!

HIMMEL POPO und ZWIRN sind wir leichtgläubige Idioten gewesen.

Günstig ist nicht immer gut! Wer günstig kauft, kauft oft zweimal!

Wir arbeiten nur noch mit Firmen zusammen, die uns aus dem Bekanntenkreis empfohlen wurden und werden.

Sicher ist sicher!

Ein Gedanke zu „Lehrgeld zahlen“

  1. Hallo.
    Bei den geschilderten Erfahrungen erkenne ich uns zum Großteil wieder. Scheinbar liegt es aktuell voll im Trend, den Arbeitsvermittler (in jeder Branche) zu spielen.
    Gleiches ist einem Bekannten mit seiner Putzfrau passiert. Er inseriert, dass er eine Putzfrau sucht. Es ruft eine Dame an und wollte zum Vorstellungsgespräch kommen. Am besagten Termin erschien eine aufgestylte Frau im Porsche. Am ersten Arbeitstag erschien eine andere, nicht angekündigte, Person, die nach einem Gespräch erzählte, dass sie 6 EUR/Std. erhielt (war vor den Zeiten des Mindestlohns). Ausgemacht wurde mit der Dame im Porsche ein Preis von 15 EUR/Std.
    Scheint ein einträgliches „Geschäftsmodell“ zu sein. :-/
    Auch wenn es ärgerlich ist, das Handwerk ist für solche „Machenschaften“ geradezu ideal. Nur leider nicht für uns als Auftraggeber, die einfach nur einen zuverlässigen Partner am Bau wollen.
    Gruß
    Daniel

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